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Die Faszinierende Bergwelt rund um den Dachstein

21. Juni 2018 - Julian Weber
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Seit sechs Jahren veranstalten wir gemeinsam mit dem Bergfotografen Herbert Raffalt unseren Fotoworkshop Faszination Dachstein für die aktuelle Fahrt in diesem Jahr sind noch einzelne Plätze frei. Was die Steiermark für Fotografen so faszinierend macht, erzählen Herbert und ich euch hier.

Diese Landschaft, diese Natur braucht keine aufwändige Inszenierung, sie ist spektakulär. Hier entscheiden vor allem ein waches Auge und die Zeit, die einer mitbringt, um das Motiv im besten Augenblick zu erfassen. So tut Herbert Raffalt eigentlich seit Jahren nichts anderes als das, was für jeden Naturfotografen so naheliegend ist, er erkundet und fotografiert seine unmittelbare Umgebung, seine Heimat die Bergwelt rund um den 2.995 m hohen Dachstein in der österreichischen Steiermark. 
Gipfelkreuz im Sonnenaufgang am Dachsteingipfel auf 2.995 m Höhe. Für diese Aufnahme verbrachten Herbert und Silke Raffalt eine Nacht am Gipfel Dachsteins. In der Frühe, noch vor Sonnenaufgang, färbte sich der Himmel und präsentierte ihnen dieses herrliche Naturschauspiel.

Die Dachstein-Tauern-Region umfasst das Dachsteingebirge im Norden und die Niederen Tauern im Süden. Der Hohe Dachstein ist der Hauptgipfel des Dachsteinmassivs und gehört zu den Nordalpen. Seine 1.000 m hohen rötlichen Südwände aus Dachsteinkalk machen ihn besonders fotogen. In der Dachstein-Tauern-Region sind zahlreiche bekannte Schönheiten der österreichischen Bergwelt wie Perlen auf einer Kette aufgereiht. Allein im Naturschutzgebiet Klafferkessel, einem ehemaligen Gletscherboden, gibt es etwa 30 Bergseen, die Fotografen wegen ihrer Spiegelwirkung anlocken. 
Bergfotografie ist nicht zwangsläufig eine Disziplin für Kletterer, Tourengeher und Extremsportler. Auch der Wanderer kann herausragende Fotos machen. Für gute Bergfotos zählt, wie für andere Sujets auch, zunächst einmal der Blick für das Motiv.

Die Wolken ziehen in den Bergen schnell und legen urplötzlich einen großen Schatten auf den Bildteil, wo eben noch strahlender Sonnenschein war. Für Fotografen ist die Gegend so anspruchsvoll wie faszinierend. Wenn die Sonne sinkt, tauchen ganze Bildbereiche rasch im Dunkel ab. Das kann fotografisch interessant sein, es kann aber auch das Ende der Bemühungen um ein gutes Foto gewesen sein. Der Naturfotograf in den Bergen muss daher ständig beobachten. Fotografie in den Bergen bedeutet meist, mit Flächen und Räumen zu gestalten. Die dominierende Fläche ist dabei oft der Himmel, sowohl von der Leuchtkraft her als auch durch ihren Flächenanteil.

Spät im Herbst entstand diese Aufnahme am Brandriedel. Zahllose Lärchen am Fuß der Dachstein-Südwand leuchten in allen erdenklichen Rot- und Orangetönen. Der Workshop findet zum Jahreszeitenwechsel statt, so dass wir im Optimalfall die Umfärbung der Wälder beobachten können.

In seinen Fotos nutzt Herbert Raffalt den Himmel zum Beispiel als wiederkehrendes Element, das sich im See spiegelt oder auch als kalte Kontrastfläche zu warmen Erd- oder Pflanzentönen. Der Bergfotograf überblickt – je nach Standpunkt und Höhe – Täler und Berge von enormer Weite und Ausdehnung. Diese Räume gilt es im Bild zu ordnen. Auch das kann eine spannende und wiederkehrende Übung sein: ein Bild in Flächen und Räume aufzuteilen und nach möglichst hoher Klarheit der Formen im Bild zu streben.

Zeitig in der Früh marschierte Herbert Raffalt für diese Aufnahme in Richtung Greifenberg in den Schladminger Tauern, um auf circa 2.000 m Höhe seine gewünschte Position zu bekommen. Im Hintergrund erhebt sich der Hochgolling mit 2.863 m mächtig über dem Steinriesental.

Die Berge sind nicht nur Objekt und Motiv, sie sind auch Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Ein Makroobjektiv für Pflanzendetails und kleine Lebewesen sollte daher in den Bergen zur Ausstattung des Naturfotografen gehören. Wer Menschen beim Wandern oder Klettern fotografieren möchte, sollte größere Distanzen mit einem Tele überbrücken können. Das gilt auch für die Fotografie der meisten wild lebenden Tiere und ihre entsprechenden Fluchtdistanzen.
Bei unserem Workshop zeigen wir gerade die Bereiche der Bergwelt, die wir auch als Nicht-Kletterer, wandernd erreichen können. Die Wege sind dabei anspruchsvoll aber mit guter Kondition immer zu bewältigen. Fotografentypisch brauchen wir für eine Wegstrecke, die man in vier Stunden am Stück bewältigen könnte, einige Stunden mehr. Im Gespräch erzählt Herbert Raffalt, was für ihn die Bergfotografie ausmacht und was eine Fotogruppe erwarten kann.
Kleine Reflektoren helfen, Makromotive auszuleuchten. Unterwegs bieten sich immer wieder Möglichkeiten für kleine Makro-Studien.
Das versteckt wachsende Edelweiß ist immer fotogen.

Kann man in der Bergfotografie nur mit Extremen punkten?
Die Berge sind sehr vielfältig und bestechen für mich vor allem in ihrer Größe und Majestät. Für mich als Fotograf besteht die Herausforderung darin, die enormen Weiten, die kühnen Grate und mächtigen Talschlüsse aufs Bild zu bannen. Es müssen nicht immer die Abenteuer oder das Extreme im Vordergrund sein. Das größte Abenteuer liegt für mich in der oft schwierigen Zugänglichkeit der Berge.Für manche Motive bin ich schon frühmorgens stundenlang unterwegs. Und nur manchmal gelingt dann auch ein schönes Bild.
 
Muss man ein guter Bergsteiger sein, um herausragende Bergfotos zu machen?
Nicht unbedingt. Es ist vielmehr wichtig, einen guten Bergsteiger als Model zu haben. Nur wenn sich der Kletterer sicher bewegt, bin ich beruhigt, um mich aufs Fotografieren zu konzentrieren. Aber auch jenseits der Bergsteigerrouten kann man grandiose Perspektiven fotografieren.


Was bedeutet für dich, in den Bergen Erfolg zu haben?
Erfolg habe ich, wenn ich gesund aus den Bergen zurückkehre, wenn ich schöne Bilder mitgebracht habe und wenn ich anderen Freude machen kann mit meinen Bildern und Geschichten.

Worin liegt für dich die besondere Herausforderung der Bergfotografie?
Die oft langen und nicht selten schwierigen Zustiege, das launige und unberechenbare Wetter. Manchmal wünschte ich mir Flügel, wenn zum Beispiel ein Gewitter kurz vor Sonnenuntergang abzieht und die Sonne noch einmal durchbricht. Diese Lichtstimmungen sind unbeschreiblich schön, aber auch leider nur von kurzer Dauer. Zu Fuß würde man viel zu spät vor Ort sein, aber mit Flügeln wäre man mittendrin. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Was empfiehlst du einem Einsteiger, der das erste Mal in die Berge geht und natürlich tolle Fotos mit nach Hause bringen will?
Viel Geduld und gute Vorbereitung. Zum einen ist der Wetterbericht sehr wichtig, zum anderen der Stand der Sonne. Das schönste Motiv nützt nichts, wenn die Sonne kurz vor Sonnenuntergang hinter dem Berg verschwindet. Zudem sollte ein Einsteiger auch immer aufs Gewicht achten und seine Ausrüstung an die geplanten Motive anpassen.

Wie wichtig ist Erfahrung?
Mit meinen Fotogruppen merke ich das immer wieder: Erfahrung was, wann, wo fotografisch funktioniert ist überaus wichtig! Nur damit gelingen wirklich herausragende Fotos. Während ich mit Fotogrupen unterwegs bin, entscheide ich je nach Wetter spontan wohin es geht. Wir legen zwar Pläne am Abend davor fest, aber wenn das Wetter wieder umschlägt, ist der Plan schnell umgestoßen.
 

Auf welches Equipment kann der Bergfotograf nicht verzichten?
Eine zuverlässige Kamera, ein Weitwinkelzoom mit passendem Polfilter, ein leichtes Teleobjektiv und natürlich ein stabiles Stativ. Im Frühjahr kommt man auch um ein Makro für die Bergblumen nicht herum. Wichtig sind auch eine Stirnlampe, Speicherkarten und Batterien in Reserve. Am besten packt man all das in einen Bergrucksack. In diese Rucksäcke passen auch Regenzeug, Wechselwäsche und eine kleine Jause für unterwegs.

Der Workshop Faszination Dachstein findet in diesem Jahr vom 30. September bis zum 05. Oktober statt.
Anmeldungen sind noch möglich.
Hallo Julian, Hallo Herbert,
im letzten Jahr hatten wir zusammen einen tollen Workshop am Dachstein und Umgebung. Ihr habt die Tage toll vorbereitet. Die Unterbringung im Hotel Berghof auf der Ramsau war exzellent und familiär zugleich. Die Truppe, obwohl zusammengewürfelt von Bremen über Köln, Frankfurt, München und Österreich und Schweiz passte auch, so dass wir super Tage hatten. Das Wetter war natürlich ebenfalls wie bestellt.
Ich kann den Workshop nur empfehlen. Wer Spaß an Natur und Landschaftsfotografie hat und auch das Bergwandern mag, sollte sich anmelden. Preis/ Leistung stimmt unbedingt!
Viel Spaß an alle die mitmachen.
LG Stefan