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Impulse 2019: Bernhard Brautlecht
Sieben Stiche töten einen Menschen

27. September 2019 - Christian Beck
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Mit Kurzzeit-Technik Hornissen fotografieren
TIERFOTOGRAFIE. Die Hornisse genießt bei uns Menschen keinen guten Ruf. Aber warum ist das so? Bernhard Brautlecht hat sich den Insekten angenommen und ihr Wesen über viele Jahre studiert und fotografiert. Dabei gelangen ihm einzigartige Aufnahmen, die ohne Ausdauer und Raffinesse nicht möglich gewesen wären. Auf den fotoforum Impulsen 2019 wird er ausführlich berichten, im Interview stellt er sich schon heute einigen Fragen.

fotoforum: Wie kamst Du zu den Hornissen und was ist so interessant an den Tieren?

Bernhard Brautlecht: Ich bin seit vielen Jahren im NABU und habe mit der Zeit viele Kontakte aufgebaut. So bekam ich auch den Kontakt zu einem sogenannten Hornissenumsetzer. Dieser wird gerufen, wenn sich Menschen beispielsweise durch ein Nest auf ihrem Grundstück von den Tieren bedroht fühlen. Hilft dann auch kein gutes Zureden mehr oder es besteht aufgrund von Allergien wirklich ein Risiko, wird das Nest entfernt. Dabei werden die Tiere allerdings nicht getötet, sondern sie ziehen samt Nest um. Hier kam ich ins Spiel und arrangierte als Ausweichquartier eine Obstwiese ganz in meiner Nähe. Mich faszinierten die Tiere und ich begann, ihre beeindruckende Lebensweise aus nächster Nähe zu fotografieren. 
Hornissenlarven in einem Nest.
Eine Hornissendrohne.

fotoforum: Wie muss man sich so ein Leben vorstellen?

Bernhanrd Brautlecht: Die Königin erwacht aus ihrem Winterschlaf und beginnt direkt mit dem Nestbau. Sie legt Eier und recht bald schlüpfen die ersten Larven von Arbeiterinnen. Diese zieht die Königin groß, indem sie sie füttert und sich um sie kümmert, damit diese bald Selbiges für die Königin erledigen können. Die letzten Jahre musste ich leider miterleben wie gerade diese ersten Abschnitte im Leben eines Hornissenvolkes nicht funktionierten, da die Königin nicht genug andere Insekten fangen konnte, um die Larven zu füttern. Die Völker starben dann aus und führten mir so bedauerlicherweise die Gefahr des Insektensterbens direkt vor Augen.
Eine Hornisse bringt Futter ins Nest, um den Nachwuchs zu versorgen.
Zwei Hornissen bei der Brutpflege.

fotoforum: Beim Wort "Hornisse" zucken viele Menschen innerlich zusammen. Ist die Arbeit mit den Tieren denn gar nicht gefährlich?

Bernhard Brautlecht: Grundsätzlich ist die Arbeit mit Hornissen nicht gefährlich! Mann muss nur gewisse Grundregeln beachten: Man sollte sich langsam bewegen. Keine hastigen Bewegungen machen und die Tiere grundsätzlich nicht stören oder ärgern. Ich wurde bislang ein Mal gestochen. Das hatte ich allerdings selbst verschuldet, weil ich aus Versehen gegen das Nest stieß. Die Menge Gift, die die Tiere einem dann verabreichen, ist nicht größer oder gefährlicher als die einer Wespe. Es ist nur so, dass der Stachel etwas größer ist und die Schmerzen dann auch etwas stärker ausfallen können. Der Spruch "7 Stiche töten einen Menschen" ist natürlich völliger Humbug, ist aber schon seit immer in den Köpfen der Menschen.
Flugstudie mit zwei Hornissen.

fotoforum: Wie fotografiert man diese schnellen Tiere - und dann auch noch im Flug?

Bernhard Brautlecht: Ich habe mir dazu ein großes Set aufgebaut. Das Herzstück bildet eine Nikon D800 mit einem Rollei-Objektiv mit einem Zentralverschluss. Dieser Verschluss ermöglicht eine Blitzsynchronzeit von 1/1.000 Sekunde. Hinzu kommt eine Lichtschranke, ein künstlicher Hintergrund, Blitze und einiges mehr. Genau erzähle ich das dann in meinem Vortrag bei den Impulsen :-)
Viel Technik. Im Vortrag erklärt Bernhard Brautlecht sein Vorgehen.

Zur Person: Bernhard Brautlecht ist als Referent zu Gast bei den 4. fotoforum Impulsen (18. bis 20. Oktober 2019) in der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg.

Bernhard Brautlecht ist ein angesehener Fotograf in der Naturfotoszene, ist Mitglied der GDT und auch bekannt für seine Vorträge.
www.b-brautlecht.de

Ein sehr schöner und informativer Beitrag, Schön, daß Bernhard auch mit dem Irrglauben aufräumt, daß sieben Stiche den Menschen töten würden. Zwar hat die Hornisse im Vergleich zu Wespe und Biene den größten Giftblaseninhalt, die enzymatische Zusammensetzung ist jedoch nicht so aggressiv wie das Gift der Biene. VG, Werner
... sehr eindruckvolle Bilder. Ich habe sie immer mal wieder an meinem Teich (Biotop). Und sie sind gute und fleißige "Helferlein" im Hochsommer die weitaus läßtigeren und recht agressiven Wespen zu dezimieren. Ich habe immer wieder beobchten können wie Wespen im Flug(!) sozusagen "abgefangen" werden ...
VG, Siegbert
Sehr schöne Fotos zeigst du von den Hornissen... mit denen ich mich auch schon seit vielen Jahren beschäftige.Ich konnte sogar schon mal dem Schlupf eines Drohns beobachten.. Ein Nest wurde ausgeplündert und die entsprechende Wabe mit den Zellen lag am Boden.. da entstanden für mich super Fotos. So eine aufwendige Technik verwende ich nicht.. ich "mühe" mich immer so am Hornissennest ab :-) Und bin nicht unzufrieden mit den Bildern. Man muss sich nur ein wenig mit den tollen Insekten beschäftigen.. und Respekt aber keine Angst haben. Dein Vortrag ist bestimmt interessant. Viel Erfolg damit. VG Sonja
Mit dieser Technik ist es keine Kunst solche Bilder zu machen. Das nötige Kleingeld muss man dann auch noch haben. Da lobe ich mir die, die mit normalen Mitteln ähnliche Aufnahmen machen. Das geht nämlich auch. Man muss nur noch mehr Geduld aufweisen. Gruß Lutz