fotoforum bloggt

Island – Ein Fototraum | Teil 1

28. August 2014 - Christian Beck
7
Gate 4 am Frankfurter Flughafen ist unser Tor nach Island. Viele der 15 Teilnehmer der fotoforum-Island-Tour 2014 in Zusammenarbeit mit World Geographic treffen sich bereits hier. Die Stimmung ist aufgeregt. Wir diskutieren über die Ausrüstung und das isländische Wetter und malen uns die vielen bevorstehenden Abenteuer aus. Wir alle können es kaum erwarten …
Spätestens im Flieger bemerken wir, dass Island ein tolles Fotoziel sein muss, denn ausgesprochen viele Fotografen und ganze Fotogruppen sind mit uns auf dem Weg dorthin. Wir spüren das an den hoffnungslos überfüllten Handgepäckfächern, die vor lauter Fotorucksäcken und Stativen nur so überquellen.

Unser Flieger heißt wie ein sehr aktiver Vulkan. Hauptsache kein schlechtes Zeichen …

Island-Tag 1: Ankommen in Reykjavik
„Fasten your seatbelts“ leuchtet auf und gibt das Signal zur Landung. Island empfängt uns mit Wetter. Es regnet. War ja klar! Die Truppe findet sich schnell in der Empfangshalle beim fotoforum-Schild in den Händen von Chris Hug-Fleck unserem Island-Experten zusammen. Flott wird das viele Gepäck nebst Essen in zwei Transportern und einem Geländewagen verstaut. Es geht nach Reykjavik.
Im Anflug auf Island. Über den Wolken war noch praller Sonnenschein …
Die Fototruppe bepackt die Fahrzeuge für die kommenden Tage.

Nach etwa 40 km Fahrt beziehen wir gegen späten Nachmittag das nette Guesthouse Aurora. Die Unterkunft ist typisch isländisch einfach und nett. Kaum sind die Taschen verstaut, schwärmen auch schon die ersten Fotografen aus, um Reykjavik fotografisch zu erkunden. Dafür muss man auch gar nicht weit laufen, denn etwa 200 m nebenan steht die stolze Hallgrímskirkja, die ein tolles Fotomotiv abgibt. Bis zum letzten Licht wird noch fotografiert. 
Die imposante Hallgrímskirkjan im Abendlicht.

Island-Tag 2: Raus auf´s Land zum Gysier und zum Gulfoss.
Früh geht es raus und nach einem leckeren Frühstück in die Autos. Wir verlassen Reykjavik und befinden uns schon recht bald auf einer einsamen Straße mitten im Nirgendwo. Die Landschaft ist bereits jetzt so, wie man sie bei uns zulande nie sieht. Da ist klar, dass es unseren Island-Reisenden im Auslösefinger juckt. Also tönt schon recht bald durch die Walkie-Talkies, mit denen die drei Autos ständig verbunden sind, das Wort, das uns die gesamte Reise begleiten wird: „FOTOSTOP!“. Wir halten mitten in der Einöde. Am Horizont zeichnen sich Berge ab. Trotz oder gerade wegen der Ödnis ist das Motiv so spannend. Chris hört man murmeln: „Mensch Leute, natürlich halten wir hier. Aber wartet mal ab! Da kommen noch Motive die sind tausendmal besser …“ Seine Worte verhallen im Wind, der uns Sonnenschein bringt und die Fotobienen schwirren aus. Aus allen Himmelsrichtungen ist von nun an das Klicken der Verschlüsse zu hören.
Der Wind pfeift und die Stative zittern. Dennoch lohnt ein kurzer Fotostop.
Kurzes Zusammenkommen bevor alle auf Motivsuche gehen.

Wir fahren weiter. Chris (gelernter Geologe und Autor über Bücher zum Vulkanismus auf Island) erklärt uns die vielen geologischen Besonderheiten Islands und zeigt sowie erläutert uns ein Geothermie-Heizkraftwerk bei Neskjavellir. Wir machen einen Schlenker Richtung Norden und umfahren den schönen See Thingvallavatn. In dessen Norden besuchen wir den Nationalpark Thingvellir – einen magischen Ort. Nicht nur, dass dort die Eurasische- und die Nordamerikanischen Platte auseinanderdriften und sich breite Gräben bis zum Horizont ziehen, vielmehr wurde hier auch im Jahre 930 die Demokratie geboren – zumindest das, was man damals unter Demokratie verstand. Auch hier bieten sich wieder Fotomotive satt an.
Am Thingvallavatn.
Die fotoforum-Mitglieder waren immer sehr gut an ihrer amphibischen Fortbewegung zu erkennen.
Langzeitbelichtung bei Thingvellir. Die Kirche oben links schrieb Weltgeschichte.
Eine mit kristallklarem Wasser gefüllte Erdspalte bei Thingvellir. Unmittelbar nach diesem Foto rutschte ein zu neugieriger Fotograf den Abhang hinunter und wurde ordentlich nass. Er gehörte aber nicht zu uns.

Weiter geht es ein ganzes Stück gen Osten Richtung Hochthermalgebiet von Haukardalur und wir beziehen gegen Nachmittag unser Quartier ganz in der Nähe des Geysirs. Und zwar nicht eines Geysirs, sondern des Geysirs. Denn Geysir ist ein Eigenname und er ist Namensgeber für alle weiteren Geisere weltweit.
Gegen späten Nachmittag machen wir natürlich auch noch einen Ausflug zum Geysir und auch zum nur unweit entfernten Gullfoss. Dem riesigen Wasserfall, der in eine tiefe Schlucht fällt und dessen Wassermassen dort scheinbar im Nichts verschwinden.
Geologe und Island-Experte Chris Hug-Fleck erklärt den Teilnehmern die Funktionsweise eines Geisers.
Geld einwerfen verboten!
Alle 10 bis 20 Minuten spuckt der Geiser "Strokkur" seine Wassermassen bis zu 20 m in die Höhe. Ein schönes Motiv im Gegenlicht.
Am Gullfoss. Seine Wassermassen stürzen in die Tiefe und produzieren jede Menge Gischt. Da müssen Fotograf und Kamera erst einmal durch. Wer hier fotografiert, sollte ein Handtuch und eine Tüte für die Kamera parat haben.
 
Zur Fotografie:
Fotografisch hielt diese Etappe einige Besonderheiten parat:
Die Ödnis an Morgen hatte ihren Reiz, konnte auf Fotos allerdings schnell langweilig werden. Deshalb war es unbedingt notwendig, einen geeigneten Vordergrund zu finden, der dem Bild eine gewisse Spannung verleihen konnte. Ich fand einen kleinen, ausgedörrten Ast, den ich mit einem 14-24-mm-Superweitwinkel gezielt in das untere Bilddrittel brachte. Darüber sah man noch reichlich Weite, am Horizont die Berge und darüber einen einigermaßen dramatischen Himmel, den ich zudem noch mit einem Grauverlaufsfilter betonte. Apropos Verlaufsfilter: Sie sollten in Island zur Grundausstattung eines jeden Landschaftsfotografen gehören. Die Kontraste sind regelmäßig sehr hoch. Der Untergrund ist vulkanschwarz und der Himmel blau bis grau oder weiß. Das bekommt keine Kamera der Welt vernünftig hin. Deshalb kann ein Grauverlaufsfilter helfen, die Kontraste zu schmälern und gleichzeitig den Himmel zu dramatisieren.
Ein simpler Ast genügt, um ein Bild spannend zu machen.
Wer mit dem Nikon 14-24 mm fotografiert kennt das Problem: Ein Filtergewinde gibt es nicht. Also muss man sich anders helfen. Ich nutzte einen speziell dafür entwickelten Filterhalter von Nisi, in den 15x15 cm große Glasfilter von Lensinghouse geschoben werden können. In Deutschland erhältlich ist das professionelle System bei Isarfoto/Bothe.
© Foto: Isarfoto/Bothe

Ähnlich wie mit dem Grauverlaufsfilter verhält es sich auch mit einem Polfilter. Er muss in die Island-Fototasche und dient dazu, Wolken auszuarbeiten, Wasserflächen bei gleißendem Sonnenschein zu entspiegeln oder Farben zu verstärken. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn er aus einem blauen Himmel einen fast schwarzen Himmel macht. Das kann auf Fotos schnell übertrieben aussehen. In diesem Fall sollte man den Filter ein Stück wieder zurückdrehen. Den Polfilter kann man natürlich auch sehr gut mit einem Grauverlaufsfilter kombinieren.
Arbeitet man mit Filtern, sollte man sich Zeit nehmen. Bestenfalls arbeitet man vom Stativ aus. Nur so kann beispielsweise der Verlaufsfilter exakt am Horizont ausgerichtet werden. 
 
Beim Gullfoss, dem mächtigen Wasserfall am Nachmittag, verwendete ich erstmalig auf Island einen ND1000-Filter. Er lässt nur noch 1/1.000 des Lichts durch und ermöglicht so Langzeitbelichtungen – auch bei Tageslicht. Dabei ist die Arbeit mit einem Stativ Pflicht. Wichtig ist, dass man vor dem Einsetzen des Filters die Position der Kamera, den Autofokus und den Ausschnitt auf das Motiv eingestellt hat. Denn ist der Filter erst einmal angebracht, kann man kaum noch etwas durch den Sucher erkennen. Man muss schon ein Tuch über sich und die Kamera legen, um bei Sonnenschein noch etwas erkennen zu können. 
Im nächsten Schritt muss man sich an die richtige Belichtungszeit tasten. Ich verwendete für die grobe Einstellung eine kostenlose App. LE Calculator leistete grundsätzlich ordentliche Dienste, dennoch musste ich die Zeit oft nachregeln.
Es kam nicht selten vor, dass ich bis zu 1,5 Minuten lang belichtete. Dafür benötigt man an der Kamera den Bulb-Modus und einen entsprechenden Fernauslöser. Ich verwendete in solchen Fällen den original Nikon MC-36, den man umfangreich mit den entsprechenden Zeiten programmieren kann.
Außerdem wichtig bei Langzeitaufnahmen im Tageslicht ist das Verschließen des Suchers. Wenn man sich schon immer gefragt hat, wozu die kleine Klemme am Kameragurt ist, weiß man es spätestens jetzt. Denn der Lichteinfall durch den Sucher kann bei Tageslicht enorm sein und bei langen Belichtungen ordentlich Fremdlicht in die Kamera bringen. Das sorgt für Fehlmessungen und -belichtungen. Viele Nikon-Kameras haben dafür einen kleinen Hebel neben dem Okular, der Selbiges von innen verschließt. Bei spiegellosen Kameras sollte das Problem natürlich nicht auftauchen.
 
Ein Problem anderer Art zeigte sich beim Gullfoss: Der Wasserfall versprühte seine Gischt in alle Himmels- und Windrichtungen. Mir und der Kamera war das relativ egal, aber der Graufilter war sehr bald mit Tausenden kleinen Tropfen übersät. Da half nur putzen, putzen und noch einmal putzen. Teils wischte ich sogar während der Belichtung das Wasser vom Filter – quasi live-abwedeln. Das war mit den mir zur Verfügung stehenden Mikrofaser-Tüchern gar nicht einfach, da sie kaum Wasser aufnehmen konnten. Deshalb schwenkte ich bald zu Taschentüchern um, die allerdings Flusen auf dem Filter hinterließen. Also konnte ich mich entscheiden: Wasser oder Flusen …
Die Gischt des Gullfoss kroch in jede Ritze. Selbst zwischen Monitor und Monitorschutz kam das Wasser.

Im nächsten Island-Teil berichte ich über actionreife Pistenfahrten, zeige Timelapse-Aufnahmen mit der GoPro und erläutere, wieso aus unserem Anhänger Bier tropfte …

Und wer jetzt schon Urlaub für 2015 einreichen muss: Vom 02.07. bis 11.07.2015 geht es wieder mit uns ins Land aus Feuer und Eis!!
Anmeldung und Infos hier: Klick!

Links zum Beitrag:
Unsere Reiseleitung
Guesthouse in Reykjavik
Filterhalter für das Nikon AF-S 2,8/14-14

Links zu den anderen Island-Beiträgen:
Island Teil 2
Island Teil 3
Island Teil 4
Das ist schon mal ein interessanter Einstieg in eure Fotoreise. Ist schon fast schade, wenn man da nicht dabei sein konnte. Lustig fand ich die Stelle mit der Gepäckablage im Flugzeug. Ich stelle mir das gerade bildlich vor :-D. Schmunzeln musste ich auch bei dem Fotografen, der ins Wasser gestürzt ist (Bildunterschrift Thingvellir). Klingt so, als ob ich das hätte sein können ;-)

Bin gespannt, wie es weiter geht.

Jochen
Hallo Christian,
du hast einen sehr interessanten Beitrag verfasst.
Zum Einen ist es natürlich schön, dass du uns an der Reise ein wenig teilhaben lässt, zum Anderen ist der "technische Teil" auch sehr interessant.
Da freut man sich auf den nächsten Beitrag.
Euch weiterhin eine schöne Reise!
VG Andreas
Lieber Christian,

Auf unserer Island-Fotoreise 2014 haben wir deine „Off-Road“ Fahrkünste kennengelernt, sind deinen guten Foto-Ratschlägen gefolgt und haben jetzt festgestellt, dass du auch ein ausgezeichneter Reisejournalist bist.
Ich freue mich bereits auf den nächsten Teil der Island-Reise mit den GoPro-Aufnahmen.
Vielen Dank noch für die Email-Adressen aller Islandfahrer. Die Dropbox füllt sich erfreulich schnell.
Alles Gute, beruflichen Erfolg und beste Gesundheit wünscht dir aus Belgien

Peter Saterdag
www.saterdag.be
Hallo Christian,

auch ich habe mit Freude und viel Lust Ihren Artikel gelesen und freue mich deshalb auch auf die baldige Fortsetzung.

und auch ich musste schmunzeln bei dem „Unglücklichen“, der ins Wasser rutschte, aber aus einem ganz anderem Grund:
ich bin mehr oder weniger freiwillig da rein:
ich war Ende Mai (leider nur das verlängerte Wochenende) in besagtem Nationalpark und durfte zweimal in der Silfra-Spalte tauchen!

Hab auch Bilder davon, die in Kürze hochkommen…

Grüße aus der Pfalz
Hein


schöner Bericht!
War auch gerade da echt unglaubliches Land! :)

Hier sind ein paar meiner Islandbilder :)

https://www.facebook.com/pages/JD-Photography/129959730437196

Bei meinem siebten Besuch Islands hat sich mir die "Insel aus Feuer und Eis" nun erstmals auch von ihrer feurigen Seite präsentiert.
Mit einer Sondergenehmigung des isländischen Zivilschutzes hatte ich Anfang September die einmalige Gelegenheit, dieses eindrucksvolle und gewaltige Naturschauspiel sowohl vom Boden aus nächster Nähe, als auch aus der Vogelperspektive erleben, fotografieren und filmen zu dürfen - ein unvergessliches und unbeschreibliches Naturerlebnis!

Eine Auswahl meiner Fotografien der Vulkaneruption sind auf meiner Website online:


http://www.lukas-gawenda.de/bildergalerie/vulkanausbruch-island/
Administrator
Hallo Lukas: Wow!! Tolle Bilder!