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Auswirkungen der EU-DSGVO (Erlebnisse von heute morgen)

Heute morgen ist mir etwas ganz Sonderbares passiert, das ich Euch gerne erzählen möchte. Wie fast jeden Sonntag war ich im Park des Schlosses Westerwinkel spazieren und hatte natürlich eine Kamera dabei. Während ich einen großen Baum an einem Weg fotografierte, schreit mich plötzlich ein Familienvater an: "Wer hat Ihnen erlaubt uns zu fotografieren?" Er kam mir mit seiner Frau und 2 kleinen Kindern auf dem Weg entgegen, in welche Richtung ich gerade fotografierte. Sie waren in meinem Sucher so klein, dass ich sie noch nicht mal erkennen konnte und deshalb auch nicht kommen sah. Als ich ihm sagte, dass ich den Baum fotografiert habe und nicht ihn mit seiner Familie gab er Gott sei Dank sofort Ruhe.

Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Radfahrer, der mir beim Fotografieren im Innenhof des Schlosses mitten ins Weitwinkelbild reinfuhr. Er hielt kurz an und fragte, ob er durchfahren dürfe, weil ich doch bestimmt nicht wollte, dass er auf dem Bild zu sehen ist. Worauf ich spontan sagte: "Vielleicht wollen sie ja nicht mit auf mein Bild mit drauf!"

Ist das jetzt das Ende der fotografischen Freiheit??? Muss ich ab jetzt tatsächlich immer erst warten, bis ein Weg komplett (menschen)leer ist, bevor ich einen Baum fotografieren darf oder muss ich alle Bilder verwerfen, wo ein Radfahrer nicht genug Anstand hatte zu warten, bis ich mein Bild zu Ende fotografiert habe? Ich war übrigens in beiden Fällen zuerst da, d.h. die Familie war rückblickend betrachtet noch sehr weit weg (weshalb ich sie nicht wahrgenommen habe) und der Radfahrer sah, dass ich am Fotografieren war und fuhr mir trotzdem ins Bild (wo das passierte gab es weder eine Straße noch einen Radweg und ich sah ihn auch nicht kommen, weil dort normalerweise keine Radfahrer herfahren). 

Eure Meinungen dazu würden mich interessieren. Ich bin nämlich irgendwie ein bisschen verunsichert nach diesen 2 unschönen Ereignissen von heute morgen. Irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, das wir Fotografen nach der Einführung der neuen EU-DSGVO im Fokus stehen und dass auch die Menschen, die einem ungewollt ins Bild laufen bzw. fahren, entweder komisch reagieren oder keine Rücksicht nehmen (letzteres war zwar auch vorher schon so, aber da durfte man die Fotos wenigstens noch ohne Einverständis veröffentlichen). Ich fühlte mich heute morgen jedenfalls wie ein Mensch zweiter Klasse (der warten muss, bis alle anderen fertig bzw. verschwunden sind!) und im Nachhinein betrachtet fühle ich mich dadurch auch in meiner Fotografenehre gekränkt. Glücklicherweise passiert sowas wie heute morgen nicht allzu häufig. Aber irgendwie ist jetzt für mich alles anders geworden. Ich habe heute erstmals die Auswirkungen dieser neuen Vorschrift zu spüren bekommen. Was das Schlimmste für mich daran ist: ich habe keine Menschen fotografiert, sondern nur leblose Objekte! Und trotzdem hatte ich diese 2 unschönen Begegnungen...

VG Verena
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Vielen Dank Martin, ich habe beide Artikel gelesen. Bezüglich der Kita muss ich sagen, das ist echt traurig, aber das Verhalten des Leiters erscheint mir unter den gegebenen Umständen durchaus nachvollziehbar. Zur Schule: erstaunlich, wie die erste allgemeine Verunsicherung zu allerlei Kuriositäten führt. Ich hoffe, dass das alles bald irgendwie einheitlich geregelt und für jeden gut verständlich dokumentiert wird, damit jeder weiß, wie er mit den neuen Regelungen umgehen sollte bzw. welchen Spielraum er tatsächlich noch hätte. Sonst wird es wohl auch weiterhin solch komisch erscheinende Vorgehensweisen geben.  
VG Verena
Das es zu solchen kuriosen Auswirkungen kommen würde wie in den beiden Berichten beschrieben, ist zwar traurig aber es war damit zu rechnen. Das mit den Bildern in der Kita finde ich persönlich doch etwas überzogen, da man dies mit einer Einverständniserklärung der betroffenen Eltern leicht hätte regeln können. Es zeigt aber deutlich auf wie groß die Verunsicherung ist und das hier dringend rechtliche Klarheit geschaffen werden sollte.
Gruß
Dieter-Klaus
... meine Erfahrungen sind, das, seit das Handy auch als "Fotokamera" verwendet werden kann, das "mal eben kurz ein Foto machen" in allen Lebenslagen - also eigentlich ständig - so gehandhabt wird. Niemand, der so munter rund um sich herum Bildchen für Bildchen ablichtet und natürlich alles sofort in´s Netz stellt macht sich keine Gedanken, was er da eigentlich macht! - Es ist, schlichtweg "gedankenlos" - ... wörtlich zu nehmen. Manchmal frage ich mich da schon, warum offensichtlich noch niemand so einen "Fotografen" verklagt hat? Das mag sich übertrieben anhören, - aber im Grunde wissen diese Menschen, die sorg- und bedenkenlos in der GEgend herum knipsen eben nicht, das sie spätenstend in dem Moment, wo ihre Bilder im Internt hochgeladen werden, mit einem Beim im Knast sitzen ... oder hohe Geldstrafen auf sie zukommen (könnten ... wenn eben geklagt wird!) ... es passiert aber gerade hier gar nichts ...

Die jenigen, die sich, wenn auch nur im entferntesten mit dem Fotografieren auseinander setzten, denken & handeln wirklich anders!

Ganz im Gegensatz dazu kenne ich auch diese teils übersensibilität von Menschen, die ebenso reagieren, wenn sich vermeindlich fotografiert werden ... dies habe ich allerding bisher noch bei keinem "Handyfotografen" (wenn er zufällig selbst in´s Bild käme) so erlebt!

... aber jetzt konkret ... die DSGVO enthält auch einen Hinweis bezüglich "Verhältnismäßigkeit". Es wird von niemanden verlangt, Menschen, die zufällig in´s Bild kommen und/oder gleich wieder irgndwo hin verschwinden nachzulaufen, dem Einverständis wegen ... ebenso bei Bildern, denen es anzusehen ist, dass die Personen nur "Beiwerk" im Motiv sind und nicht das eigentliche Motiv! Darüber hinaus gibt es inzwischen ein Urteil, welches Bestätigt, das sowohl die Panoramfreiheit als auch die "Kunstfreiheit" weiterhin besteht ... ebenso die Pressefreiheit wie auch das Grundgesetzt (Meinungsfreiheit usw.)!

... was bleibt, wäre dem "gesunden Menschenverstand" gemäß, wie bereits mehrfach beschrieben, im Fall der Fälle mit den Menschen reden ... erklären und zeigen, was und wie fotografiert wurde usw. ... und nebenbei vielleicht auch ein paar schönen Bildbeispiele, was sonst so fotografiert wurde ... und im Zweifel auf die Menschen zugehen und mit ihnen reden, was man(n/Frau) vorhat, zu fotografieren. Und gelassen bleiben, wenn´s mal nicht sofort funktioniert!

Gruß
Siegbert
... ich möchte noch etwas bezüglich der genannten "Kuriositäten" in den Links hinzufügen ... Hintergrund dieser (scheinbar) übertrieben Vorsicht ist, das jede Einverständniserklärung später, also nach einem beliebigen Zeitpunkt (z. B. auch nach 28 Jahren ... oder 97 ... aber auch schon nach 84 Tagen) wieder zurückgezogen werden kann! Und ... dann eine Löschung, bzw. die Zurückgabe (das "aus-dem Verkehr-ziehen ... und zwar gerichtlicht belastbar!!!!) verlangt und eingeklagt werden kann ... also tief Luft holen :) ... wer also muss dieses Risiko auf sich nehmen und vielleicht zu diesem Zeitpunkt (nach vielleicht 22 Jahren einmal) dafür gerade stehen und vor allen dann den gesamten Aufwand dafür bezahlen?

Wirklich kurios ist jedoch, wie ein solcher gerichtlich (also rechtlich) belastbarer "Beweis" aussehen soll, das Daten wirklich restlos gelöscht, bzw. vollständig aus dem Verkehr gezogen wurden? Auf einen solchen "Beweis" bin ich wirklich neugierig ... :) ... in Anbetracht dessen, jemanden zu beseisen wo im Netz, in der Cloud, auf welchen physikalisch exitierenden Datenspeicher ("Ort") diese Daten ausfindig zu machen sind ... und genau dort wirklich NICHT mehr vorhanden sind, - also gelöcscht wurden!!! Dazu sollte einmal ein Hardwarespezialist (öffentlich) befragt werden, der ausreichend Kenntnisse hat, wie die betroffenen Daten explitzit "vorzeigbar" vernichtet (gelöscht) sind! Das sind im Beispiel von Festplatten physikalische, teils mehrfach übereinander liegende magnetisierte  Bereiche, deren exakten geometrischen Ort wohl niemand so recht kennt! ... Oder etwas doch :) ? ...

Ich denke, heute, wo teils in den Schulen bereits gelernt wird, einfach so in den "Papierkorb" ziehen bringt nix, das, selbst wenn etwas aus dem "Papierkorb" gelöscht wurde, oder das Speichermedium neu formatiert wurde ... Daten niemals wirklich vernichtet sind! Warum sonst der teils mit millitärischen Standarts betriebene Aufwand, IT-Daten physikalisch zu vernichten?

Der Verordnung sind an vielen Stellen sowohl logische wie auch naturwissenschaftliche Gestetzmäßigkeiten abhanden gekommen ... und vor allem ein wichtiger Umstand: sowohl unsere tägliche IT-UMwelt (also Computer, Software usw.) und erst recht das Internet, bzw. die Vernetzung sind vor allem daraufhin konzipiert worden: so viel wie möglich Sicherheit GEGEN Datenverlust! ... da mag nun ein Gericht daher kommen und verlangen ... "dann löscht mal eben was ... und zeigt mir dann, das ihr das auch wirklich gemacht habt" ...

In diesem Sinn hoffe ich für alle, die sich von allerlei ernst gemeinten Anordnungen verunsichert fühlen müssen ... dass sie sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen und entsprechend handeln (trauen). Ein gesundes Maß an menschlicher Trägheit ... oder Beharlichkeit hat die Menschen schon immer voran getrieben.

In diesem Sinne ... immer mal wieder ein wenig "lächeln", auch wenn es sicher nur zum heulen wäre ...
Gruß
Siegbert
Hallo Verena,
ich sehe in der ganzen Geschichte kein großes Problem, wenn ich zB Fotos von einem Markt mache, siehe mein Foto aus Freiburg, mache ich die Personen im VG, die deutlich zu erkennen sind  unkenntlch, etwa durch starkes Abdunkeln und alle anderen sind in der Masse kaum zu identifizieren, da dürfte es wohl keie Probleme geben.
Bei direkt fotografierten Personen hole ich natürlich deren Erlaubnis ein, das habe ich schon immer gemacht, auch ohne DSGVO.
LG Günter
hallo Guenther,
das Marktfoto aus Freiburg ist ein sehr gutes Beispiel ... Deine Arbeit in der BA ist überflüssig! Denn genau in solchen Situationen kann der Fotograf sich auf die Panoramafreiheit beziehen.
Die Anwendung der Panoramafreiheit gilt weiterhin im Sinne der DSGVO als nationale Anpassung, welche ja innerhalb der DSGVO ausdrücklich erwünscht und erlaubt ist. Dein Bild gibt klar zu erkennen, das es sich hier um eine typische Marktszene handelt und die Marktbesucher als "Beiwerk" zur eigentlichen Szene dazugehören. Es ist auch keine Person so im Bild zu erkennen, dass der Eindruck entstehen könnte, es drehe sich um diese Person und die Marktszene sei eine Art Bildkulisse (Hintergrund).
Darüber hinaus wäre es hier auch ein unverhältnismäßiges Hindernis, bzw. ja sogar unmöglich, von jedem Marktbesucher vor dem Fotografieren eine Einwilligung zu holen. Gleiches gilt auch für die Standbesitzer ... sofern auch bei ihnen zu erkennen ist, dass sie für den gesamtrahmen des Bildes auch eine Nebenrolle spielen, ohne eine solche Szene keinen Sinn ergäbe.
Worauf allerdings immer wieder, auch jenseits der DSVGO zu achten ist, das durch die Motivauswahl usw. im Bild klar zu erkennen ist, das es sich um eine typische Lebenssituation innerhalb einer alltäglichen Szene handelt oder um eine Darstellung kultureller oder volkstümlicher Bräuche, Arbeitssituationen oder Dergleichen ... und natürlich keine Personen in diskriminierenden oder sonst wie zu ihrem Nachteil usw. dargestellt sind. Aber dass sehe ich sowieso als Voraussetzung.
Gruß
Siegbert
Hallo Siegbert,
danke für die ausführliche und erfreuliche Aufklärung.
Gruß Günter

Vor Inkraftreten der DSGVO hatte ich ja mit dem Landesdatenschutz Hannover Kontakt aufgenommen, ein Bild eines Akteurs von einen MA-Markt beigelegt und gefragt, ob ich das mit seiner Einwilligung im FF veröffentlichen darf. (Ich weiß,daß ich das darf, seine Zustimung und Kontaktdaten habe ich.) Die LDS-Behörde hat sich erst mal dafür entschuldigt, daß sie wegen zu vieler Fragen zum Thema nicht zeitnah antworten kann und bat um Geduld. Nach 1 1/2 Monaten kam eine Mail, in der mir für meine große  Geduld gedankt wurde, man könne aber zum konkreten Fall keine Auskunft geben. MfG, Punkt.
Frage und Beispiel waren klar - ich frage mich, WOZU braucht man so eine Behörde, die bei einer klaren, einfachen Frage erst die Reaktionen der Gerichte abwarten will, bevor sie tätig wird?? Die Behördenangst vor eigenen, namentlich nachvollziehbaren Entscheidungen ist offenbar lähmend,VG, Werner


Moin Werner,

das deckt sich mit meinen Erfahrungen (leider). Wenn ich überhaupt Antworten auf meine Anfragen bekommen habe, dann waren das unkonkrete Allgemeinheiten, die man offensichtlich aus Textbausteinen zusammengezimmert hat.

Beste Grüße
Juergen

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