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Pressefoto des Jahres

Hallo liebe Community,

anlässlich der aktuellen Auszeichnung zum Pressefoto des Jahres "Venezuela Krise" stellt sich für mich die Frage,
ob derartige Bilder, die mit großem Leid für die Betroffenen verbunden sind, überhaupt eine Auszeichnung, gleich
welcher Art, erhalten sollten. Ich würde mich freuen, wenn ihr hierzu euere Meinung mitteilen würdet.

Liebe Grüße 
Jürgen
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Bin vollkommen einig mit dir Andi !
Lg Dirk
von Ilas
@Andi Ich bin jetzt auch mutig und widerspreche dir in einigen Dingen. Kriegsberichtserstatter sind nicht nur die großen, Idealisten, die für guten Journalismus ihr Leben riskieren. Es sind zum Teil Besessene, die mit normalem Maßstab nicht zu messen sind. Der Bang Bang Club war das beste Beispiel. Einer der 4 Fotografen hat 1990 mit einem brennenden Menschen den Pulitzer Preis gewonnen. Ein anderer ist mit seinem quälenden Gewissen nicht fertig geworden und nahm sich später das Leben. Dir Gier nach solchen Sensationsfotos, je schrecklicher desto besser, sollte nicht durch Preise noch angestachelt werden. Der Anreiz der guten Bezahlung sollte auch nicht beiseite gewischt werden, er spielt keine kleine Rolle. Das moralische Dilemma der Kriegsfotografen und ihr Wahnsinn wurden in der Verfilmung "Der Bang Bang Club" erschreckend wiedergegeben.
von Andi
@ Jürgen
Lieber Jürgen,
ganz speziell zu deiner eigentlichen Fragestellung: ja , da bin ich einer anderen Meinung. Auszeichnungen? Was ist das eigentlich...
Wer wird ausgezeichnet - was wird ausgezeichnet -  gibt es einen Grund dafür - warum wird überhaupt ausgezeichnet?
Es gibt heutzutage Auszeichnungen für wirklich jeden Mist!
Auch bei den Nobelpreisträgern lässt es bei mir so ab und an die Augenbrauen runzeln...
Für mich ist hier Fakt: der Fotograf hat in Unkenntnis irgendeines "Preises" mehr oder weniger instinktiv,  in einem Augenblick den Auslöser betätigt, im wahrsten Sinne eine Momentaufnahme, die irgendwie den Nerv trifft. Das ist sicherlich nicht (immer) schön. Investigativer Journalismus ist auch nicht schön. Immer wird Elendes zu Tage gebracht. Dafür gibt es auch Auszeichnungen - wieso? Wieso nicht?
Genau so wie bei der Goldenen Palme in Cannes, dem Sundance Film Festival, den "Oscar" möchte ich hier ganz bewusst auslassen, jede herausragende Arbeit ist eine lobenden Erwähnung wert. Die Leute machen ihren Job - primär ohne irgendwelche, insbesondere finanziellen Hintergedanken. Mag das Pressefoto des Jahres durchaus respektabel dotiert sein, ich glaube kaum, das ein Pressefotograf auf eine solche Auszeichnung bei einem "Klick" spekuliert. Und auch die Jury ist hier bei der "Motiv"-Auswahl durchaus flexibel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pressefoto_des_Jahres
Ich glaube, dass das sich Entsetzen über das Entsetzliche entsetzlich ist - das aber ist bei dem World Press Photo Award  weder gemeint, noch gewollt, hier wird Fotojournalismus prämiert und eben nicht das Gaffer-Händi-Video - auch wenn das Motiv realistisch schrecklich ist.
Liebe Grüße auch an die Community
Andi
von Andi
@Ilas
https://de.wikipedia.org/wiki/Bang-Bang_Club
Wussten die Fotojournalisten das schon vorher? Mit dem Pulitzerpreis meine ich...
Und das
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Bang_Bang_Club
ist doch auch schon wieder eine (Be)wertung, oder?
Vielleicht darf ich auch nicht von mir selbst ausgehen, ich tue was ich für richtig und gut halte, nicht auf irgendeine Anerkennung Dritter schielend.
VG Andi
von Peter,
Hallo Jürgen,
dieses Foto ist unnötig und wiederwärtig.
Es bedient die einfache Ausrichtung von biederen Gehirnen a la
"Mein Gott, was da alles passiert in dieser bösen Welt".
Das Foto ist eine nackte brutale Abbildung einer Wirklichkeit,
die keinen Hintergrund und keine Geschichte kennt,und aus dem Entsetzen
seinen dreckigen Profit schlägt.
Das Bild sagt nichts, über die furchtbaren, derzeit fast ünlösbaren Wiedersprüche
in Venezuela aus, denen das Bild letzten Endes seine Existenz verdankt.
Es sollte eine Klage wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den" Fotographen" eingebracht werden.
VG  Peter

Ich war entsetzt, als ich das Foto sah. Fotodokumentation hin und her... lieber helfen als auslösen..dachte ich mir. Aber es werden oft Bilder von leidenden Kindern, Menschen... Siegerfotos. Das  ist die Sensationslust der Leute. Solche Fotos sollten nicht in Wettbewerben antreten. Das hat nichts mit weggucken zu tun. 

Zitat Sonja H.
I...... Das  ist die Sensationslust der Leute. Solche Fotos sollten nicht in Wettbewerben antreten. ...... 

Pressefoto des Jahres  
  • Die Wahl zum Pressefoto des Jahres erfolgt durch die von der niederländischen Stiftung World Press Photo zuerkannten World Press Photo Awards. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis gilt als „angesehenste und begehrteste Auszeichnung im Fotojournalismus
  • Den Hauptpreis erhält das Bild, das „[…] nicht nur die fotojournalistische Verkörperung des Jahres darstellt, sondern auch ein Thema, eine Situation oder ein Ereignis von hoher journalistischer Bedeutung zeigt und dies in einer Weise, die ein außergewöhnliches Maß an visuellem Wahrnehmungsvermögen und Kreativität beweist“.[3]
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Pressefoto_des_Jahres



Zitat Sonja H.
... Solche Fotos sollten nicht in Wettbewerben antreten....

Diese Aussage von Sonja ist meines Erachtens nicht unwesentlich.
Sicherlich dienen solche Fotos der Dokumentation und sollten daher auch veröffentlicht werden. Muss der Fotograf sie aber auch noch zusätzlich zu einem Award einreichen? Ich meine, nein. Und wenn doch, dann wäre es zumindest menschlich, wenn wenigstens ein Teil des Preisgeldes an das "Opfer" abgegeben würde.

Ich stimme vollkommen mit Andi und seinem Statement in Antwort 9 überein.
von Andi
Ich glaube, dieser Link https://de.wikipedia.org/wiki/World_Press_Photo ist für die Diskussion auch noch hilfreich, insbesondere zum finanziellen Aspekt.
Echte professionelle Pressefotografen sind, glaube ich, finanziell nicht auf Rosen gebettet. Die teilweise mit erheblichen vorverauslagten eigenen Unkosten produzierten Foto-Dokumentationen müssen auch irgendwie "vermarktet" werden - wie oft gibt es schlichtweg garnichts.
World Press Photo Foundation ist gemeinnützig, fördert (auch) in Entwicklungsländern.

Liebe Grüße nochmals in die Runde

Andi


PS: wenn ich dagegen an den einen oder anderen der Gilde der Paparazzi denke, der gerade unter Verletzung, zumindest Mißachtung von Persönlichkeitsrechten, Fotografien von teilweise intimsten Lebensbereichen sich im Schutz der Privatsphäre wähnender Personen für derart stattliche Summen (Honorar möchte das nicht nennen) der Boulevard-Presse andient, dagegen sich das Preisgeld des hier diskutierten Awards mehr oder weniger als sog. "peanuts" darstellt...

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