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Schneideritis oder Schneiderrhoe - eine Krankheit der digitalen Fotografie ???

von Andi
oder: "fotografiert Ihr noch - oder schneidet Ihr schon"   ?!?!

OK !!!

Animiert durch einen meiner Kommentare stelle ich diese provokante Frage ins Forum !

Die pixelschwangeren Sensoren aktueller Kameras verleiten dazu, ermöglichen es erst auch, nachträglich den Bildausschnitt zu verändern.

Zum Verständnis:
Ich komme aus ca. 40 Jahren analoger Dia-Fotografie, d.h. die Aufnahme wurde im Kamerasucher gestaltet. Knipps und Klick !!! - das Foto war unveränderbar festgehalten !!!

Heute lese ich hier in den Kommentaren: "Hier noch etwas schneiden" - "Dort ein bisschen weg" - "Da ein anderer Schnitt"    u.ä.
 
Natürlich genieße auch ich die fantastischen Möglichkeiten der digitalen Fotografie - ich korrigiere die Ausrichtung, den Horizont; spiele mit den Kontrasten - und ab und an den Farbreglern, ja stemple oder schneide sogar das eine oder andere Störende weg - mehr aber auch nicht !!!!!

Also sind meine Fotografien im Wesentlichen "pur" - "Out of Cam" sozusagen, insbesondere was den Bildausschnitt anbelangt !!!

Deshalb meine provokante Frage: "Schaut Ihr noch durch den Sucher bzw. auf das Display" - oder fotografiert Ihr "irgendwas und irgendwie" ; den Rest (insbesondere den Ausschnitt) wird Photoshop oder ein anderes Bild(ver)(be)arbeitungs-Programm schon richten ???

Ich jedenfalls - und DAS ist mein Statement - denke und schaue durch den Sucher vor dem "KLICK"  ...........................................


Fotografische Grüße in die Runde
Andi



Ich freue mich auf Eure Gedanken und Antworten :-)


Viele liebe und beste Grüße in die Community
Andi

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... ich fotogtafiere. Und schneide nur dann, wenn es nötig ist. Das kann vorkommen. Zum Beispiel, wenn man an der Perspektive rumdoktert und es sich trotzdem nicht vermeiden lässt, dass eine vorwitzige Straßenlaterne mit auf's Bild will. Oder Ähnliches. Dann greife ich schon mal zur "Schere". Ansonsten sollte der Bildausschnitt schon beim fotografieren stimmen. Gelingt auch nicht immer. Ich muss mir nur alte Fotos (Dias) aus der analogen Zeit anschauen, die trotzdem charmant sein können. Die Ansprüche sind gewachsen mit der Zeit, aber eben auch die Möglichkeiten. Und klar, schiefer Horizont - heute kein Problem mehr, Kontraste - auch nicht. Na ja und die Farbregler und auch der ein oder andere Lightroomfilter kommen auch manchmal zum Einsatz, und sei es nur, um mal zu probieren, wie das Werk dann "so aussieht". Viele Fotografen, z.B. amerikanische Landschaftsfotografen, haben das zur Perfektion entwickelt. Warum? Weil es sich besser verkauft, der mainstream verlangt eben danach. Man muss dem nicht folgen, jeder hat da seine eigenen Ansichten. Es ist in meinen Augen kein Sakrileg, die heutigen Möglichkeiten zu nutzen. Oder eben auch nicht. Beim Bildausschnitt, um zum Thema zurück zu kommen, sollte man aber nicht zu sehr werkeln. Es sei denn, man möchte z.B. ein Quadrat (aktueller Award). Dann muss man wohl... 
My two pence ... 

Beste Grüße
Udo

PS: Ellen und ich teilen uns den account hier, deshalb ist das hier nur meine Meinung, aber ich weiß, dass sie das im Grunde genauso sieht. 
Hallo Andi,

als ebenfalls langjähriger Diafotograf greife ich gerne dein Diskussionsthema auf :-)
Ich muss aber gestehen, nicht ganz "liniengetreu" zu sein. Das hat verschiedene Gründe:

Schon in der "Analogzeit" betrieb ich nebenbei die Schwarzweißfotografie mit eigenem SW-Labor (alles noch da, nur leider viel zu wenig Zeit und Ruhe). Da die dort üblichen Papierformate nie mit dem originären KB-Seitenverhältnis übereinstimmten, habe ich mir dabei schon angewöhnt, Ausschnitte vom Urformat anzufertigen. Man wollte ja kein teures Papier verschenken ;-)

Jetzt in der Digitalzeit sind es zum Teil ähnliche Gründe:
Die Digitalprojektoren haben ebenfalls wieder ganz andere Seitenverhältnisse als unser geliebtes 3:2. Früher 3:4, jetzt in der Regel 16:9 oder 16:10. Das bedeutet, ich muss bei der Aufnahme links und rechts mehr Umfeld lassen, wenn in der Höhe nachher nichts fehlen darf.

Und dann kommt natürlich der Tatterich dazu ;-) Sehr oft muss ich feststellen, dass ich bei der Aufnahme leicht verkantet habe. Das kann ich durch die komfortablen Croptools von Lightroom und Co. nun leicht korrigieren. Ich erinnere mich allerdings, dass ich dies auch zu Diazeiten des öfteren gemacht habe.

Nur eines mache ich recht selten: Den Beschnitt von vorneherein als Tele-Ersatz einkalkulieren. Selten heißt, es gibt Ausnahmen. Vor 6 Jahren bei einer Walsafari in Norwegen ging es einfach nicht näher. Und wer hat auf Radtour schon ein Tele von 200mm oder mehr dabei ...

Viele Grüße
Bernhard

(bin gespannt auf weitere Ansichten)
von EsKa67
Hallo Andi,
ich habe auch zu analog Zeiten angefangen zu fotografieren. Ein Teil des Spannung daran war für mich immer, die fertigen Fotos vom Entwickeln abzuholen und zu sehen, was draus geworden ist. Bilder, die nicht gelungen waren, flogen dann eben in den Müll.
Meistens halte ich das immer noch so. Für kleinere Korrekturen, wie z.B. auch den Bildausschnitt nutze ich die digitale Technik allerdings schon, dazu ist sie ja da. Grundsätzlich gilt für mich aber das Motto, die beste Bildbearbeitung macht aus einem schlechten Foto auch kein Meisterwerk. Hin und wieder fühle ich mich aber zur Abstraktion inspiriert - und dann erlaube ich mir alles, was mein Bildbearbeitungsprogramm so hergibt.
Viele Grüße, Sabine
von Piesl
Hallo zusammen,
ich sehe dieses Thema etwas anders, oder besser gesagt differenzierter.
Genau wie Bernard kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich mit meinem Vater ebenfalls SW Abzüge auf Papier selbst entwickelt habe. Auch da war Ausschnitt, ausrichten, abwedeln und mit der Hand im Entwickler (lecker gesund) zum "Nachbelichten" ganz normal. 1975 habe ich dann eine Ausbildung zum Farbenlithografen gemacht und bin seitdem im Gewerbe und mehr oder weniger intensiv auch im Hobby. In der industriellen Produktion war und ist schon immer Nachbearbeitung aller Art, genau wie heute, üblich. Auch der Hochzeitsfotograf wird stets den optimalen Ausschnitt als Abzug präsentieren. Nur sind heute Möglichkeiten geboten von denen wir zur Analogzeit nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Und die sind auch noch für jedermann preiswert zugänglich. Klar, dass da jede Menge probiert, genutzt und auch versemmelt wird.
Aber mal ganz ehrlich und objektiv betrachtet: der logische Zuschnitt aus einem runden Objektiv wäre ein Quadrat (analog meist 6x6). Wir wählen aber in der Software unserer Kameras das Format (=Ausschnitt), das uns am meisten anspricht. Analog war für Otto Normalverbraucher 24x36 mm üblich. Die Fotostudios benutzten dies auch, häufig aber auch Planfilm bis zu 20x30 cm. Und zu 99% wurde nur ein Ausschnitt verwendet.
Digital wählen wir eine Einstellung/Programmierung, die uns der Hersteller vorgibt, häufig sogar analoge Filmlooks. Analog konnte man Filmtypen wählen, falsche ISO (damals noch DIN oder ASA) einstellen oder Fremdentwickler einsetzen - Crossentwicklung; bietet heute jede Durchschnitts-Cam.

Für mich ist der Begriff "Out of cam" eigentlich ein gewisser Bereich des "Selbstbelügens". Wir mogeln uns immer mehr oder weniger die gewünschte Wahrheit zurecht. Und mir persönlich ist ein zugeschnittenes Bild lieber, als eines bei dem ich Eimer unter den Monitor stelle, weil ich Angst habe dass mir der Ozean auf den Tisch läuft. Oder so schlecht ausgerichtet, dass die Gebäude gleich umkippen.

Um noch einmal auf Bernhard zurück zu kommen, früher war alles viel teurer und es gab absolut nix zu verschenken, schon gar nicht den Druck auf den Auslöser. Nach 36Bildern war Ende, nicht nach 64 Gigabite.
Wie es mein Ausbilder damals recht derb formulierte:"aus Sch.... kann man keinen Kuchen backen und auch kein gescheites Bild machen". Deshalb sollte auch heute grundsätzlich vor dem Auslösen der richtige Blick durch den Sucher möglichst das 100 % Ergebnis bringen.  - - - - und dann kommt die Nachbearbeitung ;-)

Gruß und auch gespannt auf weitere Meinungen
Peter
Fotos werden bearbeitet, seitdem es die Fotografie gibt, also seit mehr als 170 Jahren.
Nur die Methoden haben sich geändert.
Wo ist das Problem?

Ich vermisse die analoge Fotografie nicht. Nach 26 Jahren Analogfotografie war der Umstieg auf Digital vor 14 Jahren für mich ein Quantensprung in Qualität und kreativer Freiheit. Und ich nutze die Möglichkeiten der Bildbearbeitung voll aus. Und dazu gehört weit mehr als nur die Korrektur des Bildschnitts.

Natürlich muss der Fotograf auch heute noch sauber arbeiten. Und dazu gehört vor allem die passende Wahl des Bildausschnittes. Man sollte nur so wenige Pixel wie nötig verschenken und eine möglichst minimalistische Darstellung anstreben. Aber ohne nachträgliche Bearbeitung wird der Fotograf niemals ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen.

Gruß
Jürgen

von Auma
Hallo in die Runde,

unser Leben und unser Alltag strotzt vor Veränderung, ist voll mit technischen Entwicklungen, und sehr häufig nutzen wir die neuen Möglichkeiten auch. Beispiel: Wer telefoniert denn heute noch mit einem Wandtelefon ?? 

So auch bei unserem geliebten Hobby !! Warum soll ich die fotografisch-technischen Möglichkeiten, die sich uns heute bieten, nicht nutzen ?? Ich will mich jetzt nicht in Einzelheiten vertiefen, das wesentliche ist ohnehin schon gesagt. Jürgen bringt es für mich persönlich am besten auf den Punkt - mit allen drei Absätzen !! 

LG
Markus
Moin zusammen,

klar schau ich durch den Sucher...:-)), der Rest hängt dann im wesentlichen davon ab welches Objektiv ich gerade habe und vom Standpunk
Und manchmal ist dann schlicht zuviel auf dem Bild, also schneiden, und dann klar, die Möglichkeiten der Bildbearbeitung nutzen
Den Rest haben Markus und Jürgen schon gesagt.
@Andi erinnere dich noch mal an dein bild Crazy Town :-)
Vg
Mr. H
Hallo Andi, bis vor ca. 1,5 Jahren hatte ich noch gar nicht die Möglichkeit zu schneiden. Generell probiere ich das Foto schon bei der Aufnahme möglichst gut hinzubekommen. Da meine Augen allerdings in den letzten Jahren schlechter geworden sind und ich bei einigen Kameras nur einen kleinen Sucher habe, bin ich froh, dass ich nacharbeiten kann. Seither nutze ich die Schneidemöglichkeit öfter. Mit meiner relativ neuen Panasonic LX100 kann ich auch ein Format einstellen (z.B. 16:9, Quadrat etc.). Auch das gibt mir neuen kreativen Spielraum. Ich denke, jeder der es möchte, sollte mit der Zeit gehen. Andere, die ihre Fotos in gewohnter Weise machen möchten, sollten dies so tun. Es gibt dabei m.E.  kein richtig oder falsch. Es ist wie immer Geschmacksache, denke ich oder eine Frage der technischen Möglichkeiten. Aber mit einem hast Du Recht: die Herausforderung, ein Foto aus der Kamera heraus veröffentlichen zu können (ich meine hierbei dann aber auch ohne jegliche andere Nachbearbeitung), wäre eine ganz besondere. Vielleicht ein Monatsthema für eine Gruppenarbeit?
Ich finde es gut, dass Du dieses Schneidethema hier eingebracht hast und dass wir uns darüber austauschen können. 
LG Verena
Hallo zusammen,

mir ist bewußt, dass es bei diesem Thema verschiedene Lager gibt und jede Argumente haben was für sich.

Meine Bilder entstehen überwiegend im Kopf und dann setze ich sie mit der Kamera und der Bildbarbeitung um. Vor allem im Bereich der Tierfotografie halten die Tiere selten die Pose an der gewünschten Stelle.

Für mich zählt bei jedem hier am Ende das Bild das er zeigt, der Weg dorthin kann zwar spannend sein, aber er mindert nicht das Bild, wenn mir der Weg "nicht gefällt".

Mir ist es wichtiger über alle Schritte, die ich zum Bild brauche, die Kontrolle oder besser die persönliche Beeinflussung zu haben. Deswegen bin ich für mich kein Freund von irgendwelchen Motivprogrammen, Filtern oder Bearbeitungen in der Kamera.

Nur letztlich....die Welt entwickelt sich ständig weiter.....früher gab es mal nur Akustikgitarren, später E-Gittaren und heute was weiß ich für Computer, die Musik machen können. Oder, mir ist ein Laptop mit großem Zusatzbildschirm extrem wichtig, viele junge Leute haben gar kein Laptop mehr und machen ALLES nur noch mit dem Handy.

Wenn mich was interessiert, vertiefe ich mein Wissen, wenn nicht, dann nicht. Viele Wege führen nach Rom und ob jemand nur "knipst" oder sich vor dem und während dem Fotografieren Gedanken macht, sieht man meistens dem Bild an, egal ob mit oder ohne intensiver Bearbeitung.

So weit meine Meinung zum Thema :-)

LG Katja
von Nora
Hallo,
Jürgen Hanke bringt es für mich auch auf den Punkt.

Früher wurden Fotos in der Dunkelkammer manipuliert, heute nimmt man Photoshop.
Wo ist das Problem? Das Ergebnis zählt. Der Fotobetrachter möchte einen Augenschmaus oder das sogenannte  Aha-Erlebnis.
Deshalb erübrigt sich eigentlich die Beschneidefrage Photoshop & Co.

Ein Fotomotiv braucht aber noch immer Vorbereitung, mit oder ohne Photoshop, das ist klar.

Also, sind wir unserer digitalen Welt dankbar. Ich kann mir nicht schöneres vorstellen und bin froh, das alles erleben zu dürfen, mit oder ohne Beschnitt. In diesem Sinne
Nora


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